Das Gefecht bei Gersdorf am 5. Mai 1813

Nach der Schlacht bei Großgörschen:

 

Am 3. Mai 1813 versetzte Napoleon sein Hauptlager nach Pegau. Am 4. Mai setzte das preußische-russische Heer seinen Rückzug nach der Mulde, bis Colditz und Rochlitz fort; der russische Nachtrab unter Miloradowitsch bis Geithain. Die verbündeten Monarchen nahmen ihr Hoflager in Dresden. Napoleon dagegen erreichte mit seinen Garden und den Heerteil Marmonst Borna; Ney zog in Leipzig ein. Der Vizekönig von Italien führte seine Schaaren bis Laussig, Bertrand nahm Stellung bei Borna...

 

Am 5. Mai fuhr das französische Heer mit seiner Bewegung fort. Prinz Eugen erreichte schon Vormittags mit dem Heerteil Macdonalds die Umgegend von Colditz. Hier sollte sich noch der preußische Nachtrab, unter den Obersten von Steinmetz, so lange behaupten, bis sämtliche russische Abteilungen mit Geschütz und Gepäck, bei Rochlitz über die Mulde zurückgegangen wären. Aber Eugen führte rasch eine Division links, mittels einer Fuhrt bei Sermuth, durch die Mulde gegen das Dorf Kommichau, während er die Aufmerksamkeit der Preußen durch eine andere vor Colditz stehende Division fesslte. So in der Stirnseite und in der rechten Flanke bedroht, mußte Steinmetz einen durch die Stellung Eugens gefahrvollen Rückzug antreten.

 

Nicht ohne Verlust erreichte Oberst Steinmetz eine Stellung bei dem Dorfe Gersdorf. Hier mit russischen Fußvolk und Reiterei und Geschütz unter dem General St. Priest vereinigt, erneuerten die Preußen noch einmal den Kampf, und dessen Zweck, der ungestörte Rückzug des russischen Nachtrabs unter Miloradowitsch wurde erreicht. General Miloradowitsch löste wieder seinerseits das Corp des Grafen St. Priest in der männiglich behaupteten Stellung ab , um am Abend des Tages eine andere in und bei Waldheim, mit dem Vortrab hinter Hartha einzunehmen.

 

St. Priest zog über Waldheim nach Nossen, die Preußen unter Steinmetz gen Döbeln fort. Napoleon kam mit seinen Garden am Abend des Tages nach Colditz. Marmont lagerte hinter dieser Stadt. Prinz Eugen war indessen mit Macdonalds Heerteil bis Hartha vorgerückt, General Bertrand bei Rochlitz gelagert.

 

Am 6. Mai wartete der Nachtrab unter Miloradowitsch die Erscheinung des französischen Vortrabs bei Waldheim ab, um sich dann nach einigen Widerstand, abermals gegen Nossen zurückzuziehen. Prinz Eugen nahm sein Hauptgelager in Etzdorf, Napoleon übernachtete mit seinen Garden und den Heertail Marmont in und um Waldheim.

 

aus Frh. v. Völderndorff u. Waradein, Eduard: Kriegsgeschichte von Bayern unter König Maximilian Joseph I., 4. Bd., siebentes, achtes und neuntes Buch, Feldzüge der verbündeten gegen Frankreich (1813-1815), München 1826

 

Bei Richter, Geschichte des Deutschen Freiheitskrieges, Berlin 1841 heißt es:

 

Die Truppen von Steinmetz sahen sich nunmehr gezwungen, augenblicklich ihre Stellung (bei Colditz) zu verlassen und sich unter den hartnäckigen Gefecht, in der Seite den feindlichen Geschützen ausgesetzt, zurückzuziehen. Da aber hierdurch Miloradowitsch in Gefahr kam vom Hauptheer abgeschnitten zu werden, so ward der Graf St. Priest mit zwei Divisionen Russischer Grenadiere und den Leib-Garde-Ulanenregiment den Oberstlieutnant von Steinmetz zu Hilfe gesendet. Vereint nahm man eine vorteilhafte Stellung bei Gersdorf ein und verteidigte diesselbe 6 Stunden mit großer Tapferkeit, bis Miloradowitsch seine Truppen völlig entwickelt hatte...